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Ich habe alle Cloud-Abos gekündigt — und 480 Euro pro Jahr gespart.

Vor einem Jahr saß ich vor meiner Apple-Rechnung. iCloud 9,99 €. Dazu Google One 9,99 € — weil iCloud nie wirklich für alles reicht. Dropbox Plus 11,99 € — weil ich beruflich Dateien teilen muss. Netflix 13,99 € weil Familie. Spotify 10,99 € weil Auto. In Summe 56,95 Euro im Monat. 683 Euro im Jahr. Für nichts, was mir gehört. Hier ist die Geschichte, wie ich davon weggekommen bin.

Lesezeit ~8 Minuten Erfahrungsbericht Juni 2026

Der Moment, in dem es klick gemacht hat

Es war eine E-Mail von Apple. Ende 2024, ganz beiläufig: "iCloud+ Pläne werden aktualisiert." Heißt im Klartext: die 2-TB-Stufe kostet jetzt nicht mehr 9,99, sondern 11,99 Euro. Ein paar Wochen später Google: "Wir aktualisieren unsere Preisstruktur." Dropbox sowieso jedes Jahr.

Ich hab die Apple-Mail aufgemacht, kurz auf "OK" geklickt — und dann saß ich da. Ich habe zu dem Zeitpunkt seit acht Jahren Cloud-Abos bezahlt. Acht Jahre × 56 Euro × 12 Monate sind 5.376 Euro, die ich an Apple, Google, Dropbox, Netflix und Spotify überwiesen habe. Für — sagen wir mal ehrlich — Speicherplatz auf fremden Servern und das Privileg, jederzeit gesperrt werden zu können.

Mit dem Geld hätte ich mir ein Auto kaufen können. Stattdessen hatte ich 2 TB iCloud, die zu 73 % voll waren.

"Wenn das Produkt kostenlos ist, bist du das Produkt." — Das ist die alte Weisheit. Die neue lautet: Wenn das Produkt 10 € pro Monat kostet, bist du immer noch das Produkt, zahlst aber Miete fürs Mietverhältnis.

Was ich vorher bezahlt habe

Hier die ehrliche Liste vor dem Wechsel:

DienstMonatlichJährlich
iCloud+ 2 TB11,99 €144 €
Google One 2 TB9,99 €120 €
Dropbox Plus11,99 €144 €
Netflix Standard13,99 €168 €
Spotify Premium10,99 €132 €
1Password Family4,99 €60 €
NordVPN3,29 €40 €
Summe67,23 €808 €

Ich hatte das auch ehrlich nicht so klar im Kopf, bis ich es aufgeschrieben habe. Spotify war "ja nichts", Dropbox war "brauche ich beruflich", iCloud war "automatisch dabei". Aber zusammen waren das 808 Euro pro Jahr.

Was ich jetzt nutze — und was es kostet

Mein heutiges Setup: ein Home-Server mit Unraid, vier Festplatten, läuft 24/7 in einem Schrank im Arbeitszimmer. Plus ein zweites kleines Gerät bei meinen Eltern für Off-Site-Backup. Alles dafür einmal gekauft.

PostenVorher (Jahr)Jetzt (Jahr)
Cloud-Abos808 €132 € (nur Spotify)
Hardware Home-Server (anteilig 5 Jahre)320 €
Strom (35W × 0,32 €/kWh)98 €
Summe808 €550 €
Ersparnis pro Jahr258 €
Ersparnis ab Jahr 6 (Hardware abbezahlt)578 €

Heißt: im ersten Jahr ~260 Euro gespart, ab Jahr 6 dann fast 580 Euro pro Jahr, weil die Hardware abbezahlt ist. Bei 10 Jahren Nutzungsdauer macht das in Summe etwa 4.500 Euro Ersparnis gegenüber dem alten Setup.

Hätte ich Netflix komplett rausgeschmissen, wäre noch mal mehr drin — aber das war eine Familien-Diskussion, die ich nicht gewinnen wollte. Realistisch.

Der Übergang — was Aufwand bedeutet hat

Ich will nicht schummeln: Cloud-Abos kündigen und auf einen Home-Server umsteigen ist nicht in 10 Minuten erledigt. Hier die ehrliche Zeit-Aufstellung:

Tag 1 — Hardware aufstellen. Server kam Donnerstag, Freitag Abend ausgepackt, eingesteckt, gebootet. Setup-Videocall am Samstag, eine halbe Stunde. Server lief Sonntag bereit für Daten.

Wochenende 1 — Daten umziehen. Das war die meiste Arbeit. iCloud-Fotos waren ~400 GB, Google Drive ~200 GB, Dropbox ~60 GB. Übertragen per icloudpd-Skript bzw. rclone, alles über Nacht. Geprüft am Sonntag, ob alles drauf ist.

Woche 2 — Apps konfigurieren. Nextcloud-App aufs iPhone, Immich-App auf alle Familien-Handys, Vaultwarden-Browser-Extension installiert. Pro Gerät ~10 Minuten.

Woche 3 — Kündigen. iCloud-Speicher reduziert auf 50 GB (kostenlos, fürs reine Backup nötig). Google One ganz raus. Dropbox raus. NordVPN raus. 1Password raus. Alles im Browser, je 2 Minuten pro Dienst.

Gesamtaufwand: ca. 8 Stunden über 3 Wochen verteilt. Hauptsächlich Warten auf Uploads.

Was mir geholfen hat: nicht alles auf einmal kündigen. Ich hab die Cloud-Abos einen Monat parallel laufen lassen, um sicherzugehen, dass alles wirklich auf dem Server angekommen ist. 60 Euro extra für ruhigen Schlaf — gut investiert.

Was nicht so toll lief

Damit es ehrlich bleibt — hier die Punkte, die nicht ideal waren:

Foto-Geo-Tagging hat 2 Tage Frust gekostet

iCloud Fotos exportiert die GPS-Koordinaten manchmal nicht sauber mit. Immich hat dann ein paar tausend Fotos ohne Ort. Ich musste das mit einem Skript nachsetzen — das war Sonntagnachmittag, mit Kaffee, kein großes Drama, aber unerwartet.

Meine Frau brauchte länger als ich

Ich war als Tech-affiner Mensch nach 2 Wochen "drüber weg". Meine Frau hat die Immich-App auf dem iPhone 3 Mal gelöscht, weil ihr eine Benachrichtigung nicht gepasst hat. Das war kein technisches, sondern ein Gewohnheits-Problem. Heute findet sie es selbstverständlich.

Der Server war 2× kurz weg

Einmal, weil mein Router neu gestartet hat und der DynDNS-Eintrag 10 Minuten brauchte. Einmal, weil ich beim Update einen Konfigurationsfehler hatte. Beides binnen 30 Minuten gefixt — aber bei iCloud passiert das nie.

Off-Site-Backup ist Pflicht

Ich hab ehrlich gesagt 4 Monate ohne richtiges Off-Site-Backup gelebt. Hätte das Haus gebrannt, wären alle 17 Jahre Fotos weg gewesen. Inzwischen läuft ein zweites kleines Gerät bei meinen Eltern (mit verschlüsselter Sync), aber das hätte von Tag 1 an stehen müssen.

Was ich nicht erwartet hatte

Geschwindigkeit

Fotos vom iPhone auf den Server uploaden: 10× schneller als zu iCloud, weil im gleichen Netzwerk. Backup von 50 GB läuft in 4 Minuten statt 3 Stunden. Das war ein unerwarteter Aha-Moment.

Werbeblocker fürs ganze Haus

AdGuard Home läuft als Container auf dem Server. Heißt: jedes Gerät im Heimnetz hat automatisch Werbeblocker, auch der Smart-TV (Hallo Samsung-Werbung, tschüss), das Tablet der Kinder, sogar das Echo. Das hätte ich mir vorher nicht mal als Möglichkeit vorgestellt.

Smart-Home-Stabilität

Home Assistant läuft jetzt lokal statt über Apple HomeKit oder Google Home. Vorher waren Lampen "manchmal" verzögert, weil sie über Apples Cloud routeten. Jetzt geht's instant.

Was du tun musst, wenn du das auch willst

Wenn du diesen Artikel bis hier gelesen hast, juckt dich der Gedanke. Hier die ehrlichen Schritte:

  1. Rechne nach. Schreib deine Abos auf. Multipliziere mit 12. Schau dir die Zahl an. Das ist dein jährlicher Cloud-Tribut.
  2. Schau, wieviel Speicher du wirklich brauchst. iCloud-Anzeige aufmachen, Google One auch. Addieren, mit 2 multiplizieren (für Wachstum), das ist dein Speicher-Ziel.
  3. Wähle einen Server. Eigenbau, wenn du basteln willst und Zeit hast. Fertig kaufen (wie unsere Private Box), wenn du am gleichen Wochenende fertig sein willst.
  4. Plane Off-Site-Backup von Tag 1. Ein zweites Gerät bei jemandem, dem du vertraust. Ist nicht teuer und schützt vor allem, was Versicherungen schwer ausgleichen.
  5. Lass die Abos einen Monat parallel laufen. Bis du sicher bist, dass alles synchron ist.

Willst du sehen, was DU sparen würdest?

Der Rechner auf der Hauptseite zeigt dir mit deinem konkreten Strompreis und deinen aktuellen Cloud-Abos die Amortisierungszeit. Kostet 90 Sekunden Klicken.

Spar-Rechner öffnen

Ein Jahr später: würde ich es wieder tun?

Ja, ohne zu zögern. Die Spar-Rechnung ist solide, aber das ist nicht der Hauptgrund. Der Hauptgrund ist das Gefühl, das sich entwickelt hat, als ich nach drei Monaten Server-Betrieb merkte: meine Daten sind tatsächlich meine. Apple kann seine Preise verdreifachen — ich zucke nicht. Dropbox kann meinen Account sperren — kann es nicht, weil ich keinen mehr habe. Mein Internet kann ausfallen — meine Fotos sind im LAN trotzdem da.

Das ist eine andere Qualität, die schwer zu beziffern ist. Aber ich glaube, sie ist mindestens so viel wert wie die 580 Euro im Jahr.

Nächste Schritte für dich:

→ Verstehen, was ein Server überhaupt ist: Was ist ein Home-Server? Einfach erklärt

→ Konkrete Cloud-Alternativen anschauen: Cloud-Alternative selbst hosten

→ Direkt deinen Server konfigurieren: Konfigurator öffnen